Aktiver Naturschutz in Wölfersheim

on 2.2.2018

Wird eine Straße erneuert, dann nimmt man dies als Teil seiner täglichen Umwelt wahr. Anders schaut es meist bei Naturschutzprojekten aus, von denen man häufig nur aus der Presse erfährt. Wie umfangreich die Maßnahmen in Wölfersheim sind, veranschaulichten Bauabteilungsleiter Thomas Größer und Klimaschutzmanager Markus Michel in der vergangenen Sitzung des Bauausschusses der Gemeindevertretung.

Das Thema Naturschutz beschäftigte die Wölfersheimer Parlamentarier am Montag. Mehr als eine Stunde nahm die Präsentation von Bauabteilungsleiter und Klimaschutzmanager im Bauausschuss in Anspruch. Auf 70 Folien präsentierte man die verschiedenen Maßnahmen, wovon sich alle Fraktionen begeistert zeigten. Dabei wurde klar, wie umfangreich und unterschiedlich die Bestrebungen der Gemeinde sind und waren. Dabei wurde auch verdeutlicht, wie schwierig es oftmals ist verschiedene Interessen zu vereinen. Bis in die 70er Jahre hinein wurden viele Flüsse und Bäche begradigt um damit zusätzliche Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen. Renaturierungsmaßnahmen haben das Ziel, einen Fluss oder Bach wieder in einen weitgehend naturnahen Zustand zurückzuführen und so wieder zu einem funktionsfähigen Ökosystem zu machen. In der Gemarkung Berstadt werden aktuell Maßnahmen im Bereich der Horloff und des Heeggrabens durchgeführt. Bei ihren Bestrebungen ist die Gemeinde oftmals nicht auf sich alleine angewiesen. In den vergangenen Jahren wurden verschiedenste Maßnahmen in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und dem Naturschutzfonds Wetterau entwickelt und umgesetzt.

"Am Sauerborn" südlich der Kreuzquelle wurde ein extensives Grünland mit einer Flutmulde angelegt. Damit soll das Gebiet als Rastplatz für Wasser- und Sumpfvögel optimiert werden. Insbesondere sollen durch Niedrigwasserstände im Sommer offene Schlammflächen als Rastplätze für den Limikolenzug (Watvögel) angeboten werden. Durch Wasser- und Sumpfflächen werden Grasfrosch, Laubfrosch und anderen Amphibien Laichmöglichkeiten geboten. Durch die extensive Beweidung mit Rindern und Pferden wird der Offenlandcharakter der Aue erhalten.

In den Dorfwiesen von Berstadt "Höllwiesen" wurde eine Ackerfläche in extensives Grünland umgewandelt. Zwei weitere Wiesenflächen konnten jeweils mit einem kleinen Tümpel als Brut- und Rastgebiet für Wiesenvögel angelegt werden. Hauptzielarten sind Bekassine, Kiebitz und Weißstorch. In den Gewässerabschnitten "Waschbach – Dorfwiesengraben und Heeggraben" fühlen sich  die Blauhelm Libelle und der Schlammpeitzger besonders wohl. Der Eremit im Bereich der Horloff ist ebenso von großer Bedeutung. Die Retentionsflächen in der Horloff- und Waschbachaue bieten Blaukehlchen, Wasserralle, Laubfrosch, Kurzflügelige Schwertschrecke und weiteren Tieren einen bedeutenden Lebensraum.

In Abstimmung mit den Naturschutzbehörden wurden Retentionsräume geschaffen. Retentionsräume sind die an den Flüssen und Bächen seitlich gelegenen Flächen, auf denen sich bei Hochwasser das Wasser ausbreiten und ansammeln kann. Es fließt dort nur noch langsam oder steht. Damit wird für die Unterlieger der Hochwasserabfluss verzögert und die Wasserstände werden verringert.

All die Beispiele zeigen, dass Naturschutz auch gelegentlich menschliches Zutun braucht, zum Beispiel unterliegen Gräben einem gewissen Pflegekonzept. Gräben sind kulturbedingte Strukturen. Sie wurden zur Be- oder Entwässerung, also zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Bedingungen, angelegt. Sie verlaufen meist geradlinig und würden ohne Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen verlanden.

Auch auf das Thema Blühstreifen gingen die beiden Rathausmitarbeiter ein. Hierzu hatte man im Södeler Herrengarten bereits einen Versuch gestartet. Auf anderen gemeindeeigenen innerörtlichen Flächen wie Sportplätze, Spielplätzen oder Friedhöfen könnten Blühstreifen angelegt werden. Diese Entwicklung ist aber auch nicht von heute auf morgen möglich, sie muss sich über die Einzelfläche entfalten. Im Besonderen müssen hier die Bürgerinnen und Bürger diese Art und Weise der Bewirtschaftung akzeptieren.

Die Mitglieder der Fraktionen zeigten sich durchweg begeistert von den Ausführungen und den realisierten Projekten. "Auch wenn bis jetzt viel erreicht wurde, können wir uns nicht zurücklehnen und nichts tun. Um Artenvielfalt, aber auch Erholungsqualität dauerhaft zu erhalten, ist viel Arbeit notwendig. Zugleich müssen wir verantwortungsbewusst handeln und Entscheidungen gut abwägen. Ich danke Thomas Größer und Markus Michel für den umfangreichen Einblick.“ so Bürgermeister Rouven Kötter.




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