„Charta zur Betreuung schwerstkranker und ster-bender Menschen“ unterzeichnet

on 26.1.2018

„Ich kann meinem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.“ Der Satz von Cicely Saunders, der Gründerin der Hospizbewegung, zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, zu der Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch in das Friedberger Kreishaus eingeladen hat.

Gekommen waren viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Mediziner, Vertreterinnen und Vertreter von Hilfsorganisationen und stationären Einrichtungen. Für das Land Hessen war Landtagspräsident Norbert Kartmann gekommen.

Becker-Bösch: Charta soll Bewusstsein schaffen

Der Hospizgedanke in der Wetterau wird derzeit von ambulanten und ehrenamtlichen Hospizdiensten getragen. „Dafür gilt ihnen mein ausdrücklicher Dank“, so Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch. „Die Auseinandersetzung mit den existenziellen Fragen des Sterbens, Tod und Trauer ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Dennoch wird dieses Thema gerne ausgeblendet. Hier genau setzt die Charta an: Seit Veröffentlichung der Charta im September 2010 ist es gelungen, viele Akteure in den Prozess einzubeziehen, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den existentiellen Phänomenen Sterben, Tod und Trauer zu fördern und die Ziele der Charta stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.“

Kurze Impulsreferate gaben einen weiten Einblick in das Thema. Pfarrer Robert Cachandt hat maßgeblich am Aufbau eines Hospizes in Gießen mitgewirkt. Er führte aus, dass die Erkundung der Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen eine fortdauernde Aufgabe ist. Wichtig seien gut ausgebildete Hospiz-Fachkräfte, die gemeinsam mit ehrenamtlich tätigen Menschen, wie in den ambulanten Hospizhilfen, ein multiprofessionelles Team bilden, das sich um den sterbenden Menschen und seine Angehörigen sorgt.

Dr. Thorsten Fritz, Palliativmediziner und Facharzt für Anästhesiologie, Schmerztherapie und Notfallmedizin am Gesundheitszentrum Wetterau, erläuterte, dass sich beim Aufbau einer Palliativversorgung in der Wetterau in den letzten Jahren viel getan habe. Palliativversorgung wird stationär in Krankenhäusern, aber auch von niedergelassenen Hausärzten geleistet, um dem Wunsch vieler Sterbender entgegenzukommen, in den eigenen vier Wänden zu sterben.

Sterben und Tod als Tabuthema

Karl-Heinz Hilgert, Geschäftsführer der Gesellschaft für Diakonische Einrichtungen in Hessen und Nassau, bedauerte, dass Sterben und Tod zum Tabuthema in unserer offenen Gesellschaft geworden seien. Sterben und Tod findet auch in Pflegeeinrichtungen statt. Gerade deshalb sei die Charta auch für Einrichtungen so wichtig. „Die Menschen, die in Altenpflegeeinrichtungen kommen, sind hochbetagt und der Sterbeprozess setzt häufig nach kurzer Zeit ein. Um ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, brauchen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Zeit für die individuelle Versorgung und Betreuung.“

Als Ausblick für die Wetterau kündigte er an, dass die Johanneskirche in Bad Nauheim ein denkbarer Ort für ein Hospiz in der Wetterau sein könnte. „Nicht von heute auf morgen, aber als Perspektive, nachdem bauliche Veränderungen vorgenommen wurden.“

Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch konstatierte zum Abschluss: „Ist es nicht an der Zeit, sich ernsthaft mit dem Thema eines Hospizes in der Wetterau auseinanderzusetzen? Ich glaube schon, denn eine wohnortnahe Versorgung entlastet auch die Angehörigen strebender Menschen. Das Sterben wird als ein Teil des Lebens betrachtet, der nicht verdrängt werden darf. Den letzten Lebensabschnitt durch Zuwendung mit Sinn zu erfüllen ist einer der wichtigsten Grundsätze der Hospizarbeit. Hospize bejahen das Leben, Hospize machen es sich zur Aufgabe, Menschen in der letzten Lebensphase zu unterstützen und zu pflegen. Die Hospizbewegung möchte Sterbenden und ihren Angehörigen helfen, sich auf das Lebensende einzustellen und den Tod anzunehmen.“ Sie zitierte Cicely Saunders, die einmal sagte „Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick des Lebens wichtig. Und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“ und schloss mit den Worten: „Genau diesen Gedanken verfolge ich mit meinem Bestreben, um ein Hospiz in der Wetterau aufzubauen. Die Zeichnung der Charta ist der erste Schritt auf diesem Weg.“

Am Ende der Tagung unterzeichnete Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch zusammen mit den Referenten und den Anwesenden die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt durch den Abschiedschor „Fährwell Singers“ der Hospizhilfe Wetterau e. V. Auf dem Europaplatz stand der Wünschwagen des Arbeiter Samariter Bundes, der im Sterben befindlichen Menschen einen letzten Wunsch erfüllt.

Die Leitsätze lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen.

2. Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine umfassende medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung und Begleitung, die seiner individuellen Lebenssituation und seinem hospizlich-palliativen Versorgungsbedarf Rechnung trägt.

3. Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine angemessene, qualifizierte und bei Bedarf multiprofessionelle Behandlung und Begleitung.

4. Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht darauf, nach dem allgemein anerkannten Stand der Erkenntnisse behandelt und betreut zu werden.

5. Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht darauf, dass etablierte und anerkannte internationale Empfehlungen und Standards zur Palliativversorgung zu seinem Wohl angemessen berücksichtigt werden.

 

Unser Bild zeigt die Wetterauer Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch zusammen mit Robert Cachandt, Dr. Thorsten Fritz und Karl-Heinz Hilgert

 

 




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