Die Wetterau prosperiert

on 20.12.2017

Wirtschaftsförderung spricht in Jahresrückblick von Trendwende im Altkreis Büdingen

Der Wetteraukreis steht gut da. Mehr Einwohner, mehr Beschäftigte - speziell im Altkreis Büdingen. Dieser ländliche Raum werde vielfach nicht ausreichend differenziert betrachtet und könne aufgrund aktueller Entwicklungszahlen nicht mehr so einfach als „wirtschaftlich abgehängter Teil der Region“ beschrieben werden, erklären Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger, die Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, in ihrem Jahresrückblick. Damit auch in Zukunft alle Wetterauer Kommunen von der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet profitieren, setzen die beiden weiterhin auf qualitatives Wachstum. Sie wollen Zuwachs realisieren, aber nicht um jeden Preis, sondern eine wohlüberlegte Entwicklung der Standorte und Potenziale fördern.

Die Wirtschaftsförderung Wetterau untersucht derzeit, wie sich der Landkreis in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Ein erstes Fazit lautet: „Der Wetteraukreis ist ein Wachstumsraum", sagt Bernd-Uwe Domes. Das gelte sowohl für die Einwohner- als auch im Besonderen für die Beschäftigtenentwicklung. Auffallend an den jüngsten Zahlen, von 2010 bis 2015, sei die dynamische Entwicklung bei den Beschäftigten von fast 15 Prozent im Altkreis Büdingen. "Das bedeutet eine Trendwende und deutliche Aufwärtszeichen", sagt Domes. Im Zeitraum 1990 bis 2010 sei dort noch ein negativer Saldo von fast 10 Prozent zu verzeichnen gewesen. Mit den aktuellen Werten liegt der Anstieg der Beschäftigung deutlich über der südlichen Wetterau von 8,90 Prozent und dem Landesdurchschnitt von 9,25 Prozent. Anders sieht es überraschend in Friedberg aus: Dort sank die Beschäftigtenzahl von 2010 bis 2015 um 1,75 Prozent.

Worauf die zumeist positive Entwicklung zurückzuführen ist, das will die Wirtschafts-förderung im Frühjahr 2018 gemeinsam mit Prof. Dr. Christian Diller vom Fachbereich Raumplanung der Justus-Liebig-Universität Gießen genau untersuchen. "Wir vermuten, einen überdurchschnittlichen Anstieg im Dienstleistungssektor bei insgesamt konjunkturell günstigen Rahmenbedingungen“, sagt Klaus Karger. Aus der Datenanalyse werde man weitere Strategieansätze entwickeln, zusammen mit den Kommunen und relevanten Institutionen.

Betriebe und Kommunen nutzen Beratung

In ihrem Jahresrückblick betonen Domes und Karger, die Bestandssicherung und Entwicklung des produzierenden Gewerbes und des Handwerks bleibe eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftsförderung. Im Wetteraukreis gäbe es mehr als 22.000 Unternehmen mit über 80.000 Beschäftigten. Zahlreichen Betrieben hätten sie auch 2017 beratend zur Seite gestanden, etwa bei Fragen zu Modernisierung und Innovation, bei Umstrukturierung oder Erweiterung am Firmenstandort. Die Anpassung der Betriebe an den digitalen Wandel werde zur entscheidenden Herausforderung für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Doch nicht nur Betriebe wenden sich an die Wirtschaftsförderung. "Auch immer mehr Kommunen, Investoren oder gemeinnützige Initiativen bekommen von uns individuelle Unterstützung bei der Planung und Umsetzung ihrer Vorhaben", berichtet Karger.

Ein gutes Beispiel für betriebliche Förderung und eine daraus resultierende Investition gäbe es in Nidda. Dort hat Steinmetzmeister Martin Röhling seinen Betrieb im Sommer durch die Anschaffung einer CNC-Brückensäge für komplexe Werkstücke modernisiert. "Das erhöht die Produktivität und Qualität, was wiederum neue Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen hat. Deshalb wurde die Anschaffung der Hightech-Säge im Wert von 145.000 Euro mit einem Zuschuss von 45.000 Euro aus dem Europäischen LEADER-Programm zur Stärkung des ländlichen Raumes gefördert", erläutert Domes.

Pro Jahr rund 1 Million Euro Fördermittel eingeworben

"Für die Strukturförderung der Region haben die entsprechenden Programme von EU, Bund und Land eine hohe Bedeutung. Sie erleichtern den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel", betont Karger. Neben Zuschüssen für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen, gäbe es Gelder, um die Forschung, die technische Entwicklung und Innovationen zu stärken. Weitere Schwerpunkte lägen auf der Stadtentwicklung und der ländlichen Entwicklung. "Die Wirtschaftsförderung hat von 2014 bis 2017 über 4 Millionen Euro an Fördergeldern aus verschiedenen Programmen eingeworben, die Gesamtinvestitionen von fast 7,5 Millionen Euro ausgelöst haben. Damit zählen wir zu den Einrichtungen mit der höchsten Fördermittel-Effizienz in Hessen", sagt Domes. Die eingeworbenen Beträge überstiegen die Personalkosten um das 3,75-fache.

Derzeit arbeitet die Wirtschaftsförderung mit mehreren Kommunen und dem Verein Oberhessen an der Realisierung eines interkommunalen Gewerbeparks Oberhessen. Ziel sei es, vom Entwicklungsdruck aus dem Rhein-Main-Gebiet zu profitieren und neue Unternehmen anzusiedeln. "Das Besondere an der Strategie: Erst durch den interkommunalen Verbund können auch Kommunen mit geringerer Gunstlage Neuansiedlungen im ländlichen Raum realisieren. Das Modell hat mit besseren Vermarktungschancen und reduziertem Flächenverbrauch Pilotcharakter in Hessen", sagt Karger.

Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft

Ein weiteres herausragendes Projekt sei in Friedberg beabsichtigt. "Von dem geplanten Anwender- und Technologie-Campus auf dem Gelände der einstigen US-Kaserne erhoffen wir uns eine Stärkung der regionalen Innovationssysteme“, sagt Domes. Ein solches Zentrum unter Federführung der Technischen Hochschule Mittelhessen, mit regionaler Beteiligungsstruktur hätte Signalwirkung für die Kreisstadt Friedberg und die gesamte Region. Davon können kleine und mittelständische Betriebe systemisch partizipieren. Entstehen soll eine Austauschplattform für Wirtschaft und Wissenschaft, um technische Innovationen und Produktentwicklungen gezielt voranzubringen. "Zur Ermittlung des konkreten Forschungsbedarfs in der Region planen wir einen Dialog-Workshop in Kooperation mit der THM und den Schlüsselbetrieben der heimischen Wirtschaft“, führt Domes zu den Planungen für 2018 aus.

Auch in anderen Bereichen arbeite man mit Wissenschaftlern zusammen. "Wir haben zum Beispiel das Bundesforschungsprojekt 'Kommunen innovativ - Dorf und Du' im Landkreis initiiert", sagt Karger. Hier gehe es darum, die Ortsinnenentwicklung als regionale Daueraufgabe zu etablieren. "Denn bei allen sich bietenden Wachstumschancen gilt: Wertvolle und charakteristische Bausubstanz zu erhalten und in Kombination mit modernen Elementen neue Wohn- und Lebensqualität in den Ortskernen zu schaffen.“ Ein erster Projektansatz sei eine "Dorfakademie", um die Bürger für die dörflichen Belange zu sensibilisieren und zu qualifizieren. Möglich sei auch ein „Hofreiten-Programm", um potenziellen Leerstand in bezahlbaren (Wohn-) Raum für Familien und Freiberufler umzuwandeln und Menschen aus dem Ballungsraum zugänglich zu machen.

Jede Kommune hat etwas Unverwechselbares

Neben den Planungen für ein Anwender- und Technologie-Campus in Friedberg habe die Wirtschaftsförderung selbstverständlich auch die Zukunftsfähigkeit der anderen Kommunen im Blick. "Für die Stadtentwicklung ist es nach unserer Auffassung grundlegend, sich darüber bewusst zu werden, dass jede Kommune eine besondere Charakteristik, etwas Unverwechselbares hat, das sie wertvoll macht", betont Domes. Dieses Bewusstsein muss entwickelt, auf den Punkt gebracht und in die Kommunalstrategie eingearbeitet werden.  Bürgerbeteiligung wird gefördert, damit alle gemeinsam dieses besondere Potenzial ihres Ortes erkennen, wertschätzen und nach außen kommunizieren. Wer einen solchen "roten Faden" als Orientierungsrahmen der Stadtentwicklung für die Standortfaktoren Wohnen, Arbeiten und Leben herausgearbeitet habe und die Potenziale in einem unverwechselbaren Leitbild profiliere, schaffe wesentlich bessere Voraussetzungen für kommunale und private Investitionen und eine höhere Identifikation mit dem Lebensraum. "Das zeigt zum Beispiel Bad Salzhausen mit seinem Masterplan." 

Die Wirtschaftsförderung bietet Vorträge, Workshops und das Wirtschaftsforum Wetterau an. Individuelle Beratung zur Optimierung der unterschiedlichen Potenziale der Städte und Gemeinden ist uns ein strategisches und persönliches Anliegen. Integrative, prosperierende und kreative Kommunen, die allen Einwohnern Lebensqualität bieten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, an den städtischen Entwicklungsprozessen mitzuwirken, bilden die Basis der Zukunftsfähigkeit unserer Region. "Qualitätsvolle Standentwicklungsprozesse im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erneuern zu initiieren, ist ein Kernverständnis unserer Aufgaben für 2018 und weit darüber hinaus", erklären Domes und Karger. In Friedberg etwa werde die Wirtschaftsförderung Wetterau unter Einbindung von Bürgern, Unternehmern und Hochschulen an einem solchen Zukunftsplan mitarbeiten. Durch die methodische Herangehensweise kann dieses Vorgehen auch zu einem Modell für andere Kommunen werden.

Info:

Die Wirtschaftsförderung Wetterau ist der zentrale Dienstleister für alle Unternehmen, Kommunen und wirtschaftlich Aktiven im Landkreis. Zu den Gesellschaftern der GmbH mit Sitz in Friedberg gehören der Wetteraukreis, die Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg, der Energieversorger OVAG, die Sparkasse Oberhessen, die Volksbanken im Wetteraukreis und der Verein Wirtschaft.Regionalentwicklung.Wetterau.

Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH
Hanauer Str. 5, 61169 Friedberg
Tel: +49 (0) 6031 77269-0
info(at)wfg-wetterau(dot)de
www.wfg-wetterau.de

 

Foto: wfg

Bildunterschrift: In Friedberg soll ein Zukunftsplan zur Stadtentwicklung entstehen. Die Ray-Barracks sind ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt.




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