Gelebter Naturschutz auf der Kalkschutt-Buckelwiese

on 28.5.2019

Den unermüdlichen Einsatz der Akteure des NABU Glauburg e.V. hatte der Wetteraukreis bereits im vergangenen November mit einer offiziellen Belobigung im Rahmen der Umweltschutzpreisverleihung gewürdigt. Nun überzeugte sich Kreisbeigeordneter und Naturschutzdezernent Matthias Walther mit einem Besuch vor Ort von den Erfolgen der langjährigen praktischen Vereinsarbeit.

 

Die NABU-Gruppe pflegt seit Jahrzehnten Grundstücke in der Glauburger Gemarkung mit einem Schwerpunkt auf der Ausmagerung von Wiesenflächen. Flächen werden ausgemagert, wenn sie zum Beispiel zwar gemäht aber nicht gedüngt werden. Das Mähgut wird entfernt und dadurch dem Standort die Nährstoffe entzogen. Die NABU-Gruppe leistet damit „einen wesentlichen Beitrag zur Wiederansiedlung einer Vielzahl seltener Pflanzen und zur Erhöhung der Vielfalt an Insektenarten auf diesen Flächen“, lautet ein Auszug aus der Belobigungsurkunde.

 

Als Vertreter des Vereins führten Karl-Hermann Heinz und Egon Luckey über das Gelände und präsentierten stolz ihre Erfolge. Dazu zählen beispielsweise die emporsprießenden Triebe der Bocksriemenzunge und der Bienen-Ragwurz, beides selten gewordene Pflanzen aus der Familie der Orchideen. „Im Sommer tummeln sich hier zahlreiche Schmetterlingsarten, Insekten und Vögel. Hier brummt die Biodiversität“, freuen sie die regen Naturschützer. Auch für Eidechsen sind die Bedingungen ideal, die aufgestapelten Kalksteine nutzen sie als Unterschlupf und „Sonnendeck“.

 

Die besondere Geologie des Geländes wurde bereits festgestellt. Es liegt auf einem Kalksteinvorkommen, das sich auf einer Linie von Stockheim bis Bleichenbach erstreckt. Während Halbtrockenrasen in der Wetterau schon als Besonderheit zählt, ist der hiesige Kalkhalbtrockenrasen extrem selten, da andernorts eher Basalt als Untergrund vorkommt. Die Mulden der Buckelwiese entstanden vermutlich durch den Kalksteinabbau, der auch im angrenzenden kleinen Steinbruch betrieben wurde. Im Baumbestand der Streuobstwiese finden sich alte Apfelsorten, die heute nur noch selten vorkommen. „Ein Pomologe hat vor zwei Jahren die Bäume begutachtet und konnte 80 Prozent der Apfelsorten bestimmen“, berichtet Egon Lukey.

 

Kreisbeigeordneter Matthias Walther zeigte sich beeindruckt von der großen Einsatzbereitschaft der Glauburger Naturschützer. „Auf dieser Streuobstwiese wurde mit hohem ehrenamtlichem Engagement eine intakte Fläche geschaffen, die einer bemerkenswerten Artenvielfalt an Pflanzen, Insekten und Vögeln Lebensraum gibt. Gerade im Hinblick darauf, dass die Fläche an Magerwiesen deutschlandweit stark zurückgeht, leisten die Vereinsmitglieder hier wertvolle Arbeit“, so Walther.

 

Derzeit ist das PlanWerk Wagner aus Nidda mit der Erstellung eines Gutachtens über die Schutzwürdigkeit zur Feststellung der Biodiversität beauftragt. Damit erhöhen sich die Chancen, dass die knapp drei Hektar große Fläche zu einem kleinen Naturschutzgebiet erklärt wird.

 

Die beiden Naturschützer des NABU Glauburg wünschen sich mehr Naturbewusstsein in der Bevölkerung. „Grün- und Blühflächen mit heimischen Pflanzen sind Lebensraum für Insekten und Vögel – im Gegensatz zu Steingärten mit japanischen Ziergehölzen“, so Karl-Hermann Heinz. Jeder könne hier seinen Beitrag leisten, auch indem Grasflächen – zumindest teilweise – länger wachsen dürfen und nicht wöchentlich mit dem Rasenmäher kurzgeschoren werden.

 

Bild:

Von links: Dr. Tim Mattern und Eva Langenberg von der Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege des Wetteraukreises, Wolfgang Wagner und Lisa Kleemann vom PlanWerk Wagner, Emilia Witzel, Praktikantin beim Wetteraukreis, Kreisbeigeordneter Matthias Walther sowie Karl-Hermann Heinz und Egon Luckey vom NABU Glauburg e.V.




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